Elen síla lúmenn' omentielvo.

Startseite
Verzauberung der Welt
Hintergründiges
Fragen und Antworten
Film und Kritiker
Links
Quellen
Suche
Kontakt
Impressum

Wunder-bare Welt

 

Die Verzauberung der Welt - "ein Mittel, um sich wirklich auf die Realität einzulassen."

Tolkien schreib keineswegs "fantasy", um der realen Welt zu entfliehen. Ganz im Gegenteil, er schreib, um mehr über die wirkliche Welt zu erfahren. Er studierte Menschen und Dinge des Lebens, so wie er Wörter und Sprachen studierte. Er wollte ihr Aussehen und ihren Klang erkennen. Doch um Wörter oder Dinge gründlich zu verstehen, darauf bestand er, mußte man sie durch die Zeiten oder noch besser jenseits der Zeiten betrachten. Man mußte sich an ihre Ursprünge zurückversetzen, man mußte nach vorn sehen, auf ihre wahre Bestimmung. Nur dann kann man ihren Zweck und ihren Geist erfassen.

Tolkien hatte für das, was er schrieb, seine eigene Kategorie: Mythopoeia. Dieser poetisierte Mythos brachte in die gewöhnliche Welt, die Alltagswelt ein Gefühl des Wunderbaren. Tolkien glaubte, daß die urzeitliche Welt durch die Ideal-Welt von Mythos und Phantasie leuchtender gemacht würde, so daß das lebendige Licht sichtbar wäre, das in jedem Ding enthalten ist. Märchen, schreibt er, hätten ihn zum erstenmal die Kraft der Wörter begreifen lassen, die das wirkliche Wunder elementarer Dinge heraufbeschworen, seien es Stein, Eisen, Bäume, Feuer, Wein oder Brot. Indem er über die Welt der Mythen schreibe, erklärte er, sei dieses Reich für ihn nicht bloß der Wohnort von Drachen und Elben, sondern auch die Welt gewöhnlicher Dinge wie Gras, Meer und Sonne. Und, am wichtigsten, sie ist unser Aufenthalt — das Reich sterblicher Menschen - , wenn wir "verzaubert" sind, das heißt, wenn wir hinter die rein stoffliche Welt schauen.

Nach Tolkiens Meinung werden wir so oft von Alltäglichkeiten geblendet, daß wir unseren Sinn dafür verlieren, was im Leben wirklich wunderbar ist Mythos und Phantasie erwecken in unserer Vorstellungskraft ein Gefühl für das Wunderbare und schärfen unsere Sinne. Tolkien glaubte, daß die archetypische Welt von Mythos und Märchen nicht geschaffen wurde, um die Realität zu ersetzen oder ihr zu entfliehen. Vielmehr ist sie ein Mittel, um sich wirklich auf die Realität einzulassen. Könnten wir unsere Einbildungskraft befeuern, wären wir vielleicht imstande, die ewigen und echten Dinge in einer flüchtigen Welt der Erscheinungen zu erkennen und zu schätzen. Das hieß aber, daß man sich ganz und gar auf die Realität einlassen mußte, auf eine wahre und ewige Welt, unberührt von alltäglichen Illusionen und Formen. 

Durch das Schmieden des magischen Schwertes des Drachentöters wird uns das wahre Wunder der Entdeckung kalten Stahls enthüllt. Durch die Sage von Schattenfell, Grani oder Pegasus erkennen wir die wahre Schönheit der Pferde. In den Geschichten von Bäumen mit goldenen Äpfeln der Sonne und silbernen Äpfeln des Mondes entdecken wir die magische Kraft von Bäumen, Pflanzen und Früchten.

David Day: Tolkiens Welt

Wenn Sie wirklich wissen wollen, worauf sich Mittelerde gründet, so sind es mein Erstaunen und meine Freude über die Erde, besonders die natürliche Erde.

Henry Resnick: "Interview with Tolkien." In: Niekas 18 (1967). S.37-43. S.41. Zitiert in Wynn-Fonstad: Historischer Atlas von Mittelerde, S.XI

Nichts ist realistischer als literarische Fiktion:

Dicht unter dem Alltag liegt die Poesie. Man braucht die Schicht des Alltäglichen nur zu ritzen, gleich kommt die Poesie zum Vorschein.

Eugène O'Neill

Suche und Du wirst die Poesie im Alltag finden ...

 

Zurück Nach oben

Haftungsausschluss