Immer wieder habe ich es (d.h.: das Buch "Der
Herr der Ringe") aus dem Regal geholt und und bin nach Mittelerde
zurückgekehrt, habe seine Wunder aufgesogen und wie ein Baum aus dem Erdreich
Kraft daraus geschöpft. Ich werde dieser Geschichten niemals überdrüssig.
Und je älter ich werde und je mehr ich über mich erfahre, desto klarer wird
mir, dass viele meiner Ansichten über Gut und Böse, Richtig und Falsch in
dieser Welt auf dem fruchtbaren Boden des Auenlandes und in dem hohen Turm von
Minas Tirith entstanden sind.
Mittelerde zu besuchen ist für mich wie eine Heimkehr
... . Einige meiner ältesten Freunde leben dort, und ich lerne immer wieder
etwas Neues über sie, wenn wir uns wieder begegnen. Manche, wie Sam, sind
einfach und leicht zugänglich, und doch sind ihre Taten Ehrfurcht gebietend.
Andere, wie Tom Bombadil oder Baumbart, werden immer geheimnisvoller und
schwerer zu fassen, je öfter man sich mit ihnen beschäftigt. Mittelerde ist
eine reiche, detailverliebte Welt, ein erstaunlicher Beweis für die kreative Vorstellungskraft,
mit der uns unser Schöpfer uns nach seinem Bilde ausgestattet hat. Tolkien
hat eine tiefe Freude daran, jede Blume, jeden Busch, jede Flussbiegung und
jede Wegstrecke genau zu beschreiben. Sein Vergnügen an dieser Welt ist so
ansteckend, dass ich mich oft, wenn ich durch eine der wenigen noch übrigen
Stellen mit so genannter "unverfälschter" Natur in dieser unserer
Welt streife, unweigerlich ans Auenland oder an Lothlórien erinnert fühle -
so als ob ich tatsächlich schon dort gewesen sei und nun zurückkehrte.
In Mittelerde habe ich ein Übungsfeld entdeckt, einen
Ort, an dem ich mir Tugenden wie Weisheit, Freundlichkeit, Gnade und Liebe aneignen
kann, an denen es bei mir noch fehlt.
Mark Eddy Smith: Tolkiens ganz gewöhnliche
Helden