Elen síla lúmenn' omentielvo.

Startseite
Verzauberung der Welt
Hintergründiges
Fragen und Antworten
Film und Kritiker
Links
Quellen
Suche
Kontakt
Impressum

Mehr als nur Lesespaß

Nach oben Weiter

Der Unterschied zwischen Hineinlegen und Herausholen

Tolkiens Gedanken nach-denken? Legt man da nicht etwas in Tolkiens Bücher hinein? Hat Tolkien sich nicht gegen solche Dinge gewehrt?

Es ist ein großer Unterschied ist, ob man etwas in Tolkiens Bücher hineinlegt oder etwas herausholt. Hineinlegen wollen wir nichts. Doch wollen wir herausholen aus ihnen, was mehr ist als nur Lesespaß.  

 

Tolkiens Absichten

Die Geschichten, die J. R. R. Tolkien schrieb, sind spannend. Aber sie sind mehr als das. 
Im Vorwort seines Werkes "Der Herr der Ringe" schreibt Tolkien über seine Motive beim Schreiben dieses Buches:

Das Hauptmotiv war der Wunsch eines Märchenerzählers, es einmal mit einer wirklich langen Darstellung zu versuchen, die die Aufmerksamkeit der Leser fesselt, sie unterhält, erfreut und manchmal vielleicht erregt oder tief bewegt.

Millionen haben sich seit dem Erscheinen der Bücher  fesseln, unterhalten erfreuen, erregen und tief bewegen lassen. Hätte Tolkien nur das erreicht, hätte er allein dafür schon unseren ewigen Dank verdient.

Aber Tolkiens Bücher sind mehr als nur fesselnd, unterhaltsam, erfreulich, erregend und bewegend. Auf den folgenden Seiten soll versucht werden, diesem "Mehr" nachzuspüren.

Zwei Dinge wollen dabei berücksichtigt werden:

1. Tolkiens Abneigung gegen Analysen
Analyse (von análysis: griech. = Auflösung) ist die systematische Untersuchung eines Objekts durch Zergliederung desselben. 
In einem Brief vom 13. Dezember 1972 lehnte Tolkien es ab, jemandem bei einer akademischen Arbeit über seine Werke zu helfen:

Wer etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen." ... Es heißt auch, "mich dich nicht in die Angelegenheiten von Zauberern ein, denn sie sind schwierig und rasch erzürnt'. Tut mir leid, wenn Ihnen dieser Brief gereizt vorkommt. Aber Analysen dieser Art mag ich nicht.

Briefe S. 551 (Nr. 346, an Lyle Leach)

2. Tolkiens Abneigung gegen Allegorese
Allegorese: (von allegoreo: griech. = etwas anders d.h. bildlich bezeichnen, bildlich reden): eine literarische Methode, die darin besteht, daß der Autor in seinem Text den eigentlich gemeinten Sinn verborgen hat.

Was irgendwelche tiefere Bedeutung oder "Botschaft" betrifft, so gibt es nach der Absicht des Verfassers keine. Das Buch ist weder allegorisch noch aktuell. ... Aber ich habe eine herzliche Abneigung gegen Allegorie in all ihren Erscheinungen, und zwar immer schon, seit ich alt und wachsam genug war, um ihr Vorhandensein zu entdecken.

HdR, Vorwort

Ist es daher nicht grundsätzlich falsch, in Tolkiens Büchern "mehr" als nur spannende Geschichten zu vermuten? 
Nein! Denn Tolkien selbst unterschied durchaus zwischen "Allegorie" und "Anwendbarkeit":

Ich habe eine herzliche Abneigung gegen Allegorie in all ihren Erscheinungen, und zwar immer schon, seit ich alt und wachsam genug war, um ihr Vorhandensein zu entdecken. Wahre oder erfundene Geschichte mit ihrer vielfältigen Anwendbarkeit auf das Denken und die Erfahrung der Leser ist mir sehr viel lieber. Ich glaube, daß viele Leute "Anwendbarkeit" mit "Allegorie" verwechseln, aber das eine ist der Freiheit des Lesers überlassen, die andere wird ihm von der Absicht des Autors aufgezwungen.

HdR, Vorwort

Diesem "Mehr" soll hier nachgespürt werden. Was ist es mit der vielfältigen Anwendbarkeit auf das Denken und die Erfahrung der Leser?

Obwohl Tolkien keine "geheime Botschaft" in seinen Büchern versteckt hat, die wir herauszuklauben haben, können seine Werke vielleicht helfen, uns zu besseren Menschen zu bilden.

Das ist durchaus legitim, denn Tolkien schrieb über die von ihm geschaffene "Welt":

...ihr Zweck (ist) immer noch weitgehend ein literarischer (und, wenn Sie der Ausdruck nicht schreckt, didaktischer).

Briefe S. 251 (Nr. 346, an Peter Hastings - Entwurf)

Ehe man zu Ehren kommt, muß man Demut lernen.

Sprüche Salomos 15,33

Nach oben Weiter

 

Haftungsausschluss