Elen síla lúmenn' omentielvo.

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Des Buches Herzstück

"Hier ist das Herz des Elbentums auf Erden", sagte er, "und hier weilt mein Herz allezeit ..."

Die folgende Beschreibung Lothlóriens in "Der Herr der Ringe" liebte "der Elbenfreund" schon besonders, bevor ich überhaupt wußte, daß Tolkien darüber geschrieben hatte, sie sei "des Buches Herzstück":

Aber jetzt (wo die Sache nicht mehr so heiß, dringend oder persönlich ist) bewegen manche Züge des Buches, und besonders manche Stellen darin, mich immer noch sehr stark.  Das Herzstück bleibt die Beschreibung von Cerin Amroth ...

An Houghten Mifflin Co., "Brief" Nr. 165 (unveröffentlicht)

Von dem Augenblick an, als er den Fuß auf das jenseitige Ufer des Silberlaufs gesetzt hatte, war er von einem seltsamen Gefühl befallen worden, und es verstärkte sich, als er jetzt weiter in den Naith hineinkam: ihm schien, er habe über eine Brücke der Zeit einen Winkel der Altvorderenzeit betreten und ergehe sich jetzt in einer Welt, die nicht mehr war. In Bruchtal lebte die Erinnerung an die alten Dinge; in Lórien lebten die alten Dinge noch in der lebendigen Welt. Böses hatte man dort gesehen und gehört und Leid erfahren; die Elben fürchteten die Welt draußen und mißtrauten ihr: Wölfe heulten an des Waldes Grenzen; doch auf dem Lande Lórien lag kein Schatten. 
...
Als Frodo die Binde abgenommen wurde, schaute er auf und hielt den Atem an. Sie standen auf einem freien Platz. Links erhob sich ein großer Hügel, bedeckt mit einem Rasen so grün wie der Frühling in der Altvorderenzeit. Oben wuchsen, wie eine Doppelkrone, zwei Baumkreise: die Bäume des äußeren Kreises hatten eine schneeweiße Rinde und waren blattlos, aber schön in ihrer ebenmäßigen Nacktheit: im inneren Kreis standen sehr hohe Mallornbäume; sie waren noch blaßgolden belaubt. Hoch zwischen den Ästen eines Baumes, der genau in der Mitte stand, leuchtete ein weißes Flett. Zu den Füßen der Bäume und überall auf den grünen Hängen des Hügels war das Gras mit kleinen, goldenen Blüten in Sternenform übersät. Zwischen ihnen, die auf schlanken Stengeln nickten, standen noch andere Blumen, weiß und ganz blaßgrün: sie schimmerten wie ein Nebel inmitten der satten Farbe des Grases. Über alledem war der Himmel blau, und die Nachmittagssonne glühte über dem Hügel und warf lange grüne Schatten unter den Bäumen. 
"Schaut! Ihr seid nach Cerin Amroth gekommen", sagte Haldir. "Dies ist das Herz des alten Reichs, wie es vor langer Zeit war, und hier ist der Hügel von Amroth, wo in glücklicheren Tagen sein hohes Haus stand. Hier blühen immerdar die Winterblumen in dem nicht welkenden Gras: die gelbe elanor und die blasse niphredil. Wir werden hier eine Weile bleiben und in der Abenddämmerung in die Stadt der Galadrim kommen." Die anderen warfen sich auf das duftende Gras, aber Frodo blieb noch eine Weile stehen, von Staunen erfüllt. Ihm schien es, als sei er durch ein hohes Fenster getreten, das auf eine verschwundene Welt blickt. Ein Licht lag auf ihr, für das seine Sprache keinen Namen hatte. Alles, was er sah, war wohlgeformt, aber die Formen schienen klar umrissen, als seien sie erst, als ihm die Augenbinde abgenommen wurde, ersonnen und geschaffen worden, und zugleich alt, als ob sie seit eh und je dagewesen waren. Er sah keine Farben außer denen, die er kannte, Gold und Weiß und Blau und Grün, aber sie waren frisch und strahlend, als nehme er sie in diesem Augenblick zu erstenmal wahr und erfinde neue und wunderbare Namen für sie. Hier konnte im Winter kein Herz um Sommer oder Frühling trauern. Kein Makel, kein Gebrechen, keine Mißbildung ließ sich an irgend etwas entdecken, das auf der Erde wuchs. Kein Fehl war am Lande Lórien. 
Er wandte sich um und sah, daß Sam jetzt neben ihm stand, sich verblüfft umschaute und die Augen rieb, als ob er nicht sicher sei, daß er wach sei. "Die Sonne scheint, und es ist gewißlich heller Tag", sagte er. "Ich dachte, daß Elben nur Mond und Sterne im Sinn hätten; aber das hier ist elbischer als alles, wovon ich je gehört habe. Mir ist zumute, als sei ich innerhalb eines Liedes, wenn du weißt, was ich meine." Haldir schaute sie an und schien beides zu verstehen, Sams Gedanken und seine Worte. Er lächelte. "Du spürst die Macht der Herrin der Galadrim", sagte er. "Würde es euch Freude machen, mit mir den Cerin Amroth zu besteigen?"
Sie folgten ihm, als er leicht über die grasbewachsenen Hänge hinaufstieg. Obwohl Frodo lief und atmete und um ihn her lebende Blätter und Blumen von demselben kühlen Wind bewegt wurden, der sein Gesicht fächelte, hatte er das Gefühl, als sei er in einem zeitlosen Land, das nicht verging oder sich veränderte oder in Vergessenheit geriet. Wenn er fort war und wieder in die äußere Welt hinübergewechselt hatte, würde Frodo, der Wanderer aus dem Auenland, immer noch hier wandeln auf dem Gras zwischen elanor und niphredil im schönen Lothlórien.
Sie betraten den Kreis der weißen Bäume. Der Südwind blies über Cerin Amroth und seufzte zwischen den Ästen. Frodo stand still und hörte in weiter Ferne große Wogen an Ufer branden, die vor langer Zeit hinweggewaschen worden waren, und er hörte Seevögel schreien, deren Art auf der Erde ausgestorben war. 
Haldir war weitergegangen und erklomm jetzt das hohe Flett. Als Frodo sich anschickte, ihm zu folgen, legte er seine Hand neben der Leiter auf den Baum: niemals zuvor war ihm so plötzlich und deutlich zum Bewußtsein gekommen, wie sich die Rinde eines Baums anfühlt und wie sie und das Leben in ihr beschaffen sind. Das Holz und die Berührung erfüllte ihn mit Freude, nicht mit der des Försters oder Schreiners; es war die Freude am lebendigen Baum selbst. 
...
Am Fuße des Berges fand Frodo Aragorn, der still und schweigend wie ein Baum dastand; in seiner Hand hielt er eine kleine, goldene elanor-Blüte, und ein Licht leuchtete in seinen Augen. Er war in irgendeiner schönen Erinnerung versunken; und als Frodo ihn ansah, wußte er, daß Aragorn Dinge schaute, wie sie einstmals an eben diesem Ort gewesen waren. Denn die bitteren Jahre waren ausgelöscht aus seinem Gesicht, und er schien in Weiß gekleidet zu sein, ein junger Ritter, groß und schön; und er richtete Worte in der Elbensprache an jemanden, den Frodo nicht sehen konnte. Armen vanimelda, namarie! sagte er, und dann holte er tief Luft, kehrte aus seinen Gedanken zurück, sah Frodo an und lächelte. "Hier ist das Herz des Elbentums auf Erden", sagte er, "und hier weilt mein Herz allezeit, es sei denn, ein Licht leuchtete jenseits der dunklen Wege, die wir noch gehen müssen, du und ich. Komm mit mir!« Und er nahm Frodos Hand und verließ den Berg Cerin Amroth und kehrte niemals als Lebender dahin zurück.

HdR, Zweites Buch, Sechstes Kapitel: Lothlórien

Stets dann,  wenn ich  in "Der Herr der Ringe" oder ins "Silmarillion" schaue, kommt es mit ebenfalls so vor, als sei er durch ein hohes Fenster getreten, das auf eine verschwundene Welt blickt. Ein Licht liegt auf ihr, für das meine Sprache keinen Namen hat. Wenn ich mit Sam an den Grauen Anfurten steht und dem Schiff nachschaue, das Gandalf, Galadriel, Elrond, Frodo und Bilbo in den Westen bringt, dann teile ich Sams Verlustgefühle, weil dieser Teil der Geschichte nun zu Ende geht. 
Und ich verstehe den Kummer der Gefährten, als sie Lothlórien verließen:
 

Wehe für uns alle! Und für alle, die in dieser Nach-Zeit auf der Erde wandeln. Denn so ist ihr Lauf: finden und verlieren, wie es jenen scheint, deren Boot sich auf dem fließenden Strom befindet. ... Nicht Erinnerungen sind es, die das Herz ersehnt. Das ist nur ein Spiegel, und sei er so klar wie Kheled-zâram.

HdR, Zweites Buch, Achtes Kapitel: Abschied von Lórien

Und stets sage ich - wie Aragorn zu Frodo auf dem Cerin Amroth: "... hier weilt mein Herz allezeit ..."

Geht denn das überhaupt? Diese Frage beantworte ich wie Aragorn es tat

"Leben wir in Sagen oder auf der grünen Erde im Tageslicht?" "Ein Mensch mag beides tun", sagte Aragorn.

HdR, Drittes Buch, Zweites Kapitel: Die Reiter von Rohan

Ein wenig tröstet mich die Gegenwart der Gefährten, wenn ich mich dann aufmache, in die verkleinerte Realität zurückzukehren, die ich mein Zuhause nenne. Und mich tröstet, daß die Geschichten weitergehen:

"Wenn man sich das überlegt, dann sind wir ja immer noch in derselben Geschichte! Sie geht noch weiter. Hören denn die großen Geschichten niemals auf?" "Nein, als Geschichten enden sie niemals", sagte Frodo. "Aber die Leute in ihnen kommen und gehen, wenn ihr Anteil endet. Unser Anteil wird später enden — oder früher."

HdR, Viertes Buch, Achtes Kapitel: Die Treppen von Cirith Ungol

Ist Fantasy aber nicht Flucht vor der Realität?
Nein! Im Gegenteil!
Die Verzauberung der Welt ist ihre Ent-Hüllung, ein Mittel, um sich wirklich auf die Realität einzulassen.

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